Domenic Landolf Quartet
LEVITATION
Als Schweizer Jazz-Aficionado hätte man sich in den letzten Jahren taub stellen müssen, um nicht auf das aussergewöhnliche Talent Domenic Landolfs aufmerksam zu werden: In der Szene-Gerüchteküche wurde sein Name immer wieder mit Respekt herumgereicht und bei Konzerten wusste er durch sein unprätentiöses Auftreten und substanzielle Soli zu überzeugen. Nun legt er mit "Levitation" ein beachtliches Debütalbum vor - eingespielt mit seinem eigenen Quartett, das seit rund einem Jahr besteht und zu dem der Pianist Jean-Paul Brodbeck (*1974), der Bassist Fabian Gisler (*1977) und der Schlagzeuger Dominic Egli (*1976) gehören. Das Domenic Landolf Quartett ist also eine im doppelten Wortsinn junge Gruppe, die allerdings mit einer grossen, alles andere als selbstverständlichen musikalischen Reife aufwarten kann (die nachhaltig vom Bassisten Peter Frei gefärderten Gisler und Egli haben schon einige Jahre vor der Gründung des Quartetts entdeckt, dass sie sehr gut zusammenpassen). Den vier Musikern ist ein grosser Respekt für die Tradition des Jazz gemeinsam, was sie allerdings nicht zur sinnentleerten Wiederholung des bereits Dagewesenen verleitet. Landolf & Co. kennen die lange Geschichte der Formel "Saxophon plus Klavier, Bass und Schlagzeug" und sie fügen dieser Geschichte ein abwechslungsreiches Kapitel hinzu, das insbesondere durch eine lyrische Grundausrichtung gefällt.
Der stets treffsichere Bob Blumenthal hat einmal anlässlich eines Albums des traditionsbewussten Modernisten Mark Turner festgestellt, dass durch dessen Schaffen immer sehr viel von der Musik, die sich dieser einverleibt habe, durchschimmere, ohne dass dadurch ein Manko an Eigenständigkeit entstünde. Gleiches lässt sich von dem Album "Levitation" sagen: Landolf, Brodbeck, Gisler und Egli sind aufgeweckte Musiker, die wissen, dass einerseits in einem geschichtslosen Vakuum keine dauerhafte Kunst entstehen kann und dass andererseits einem musealen Bewusstsein kein dringlicher Jazz entspringen kann. Deshalb bewegen sie sich in dem produktiven Spannungsfeld von Bewahrung und Erneuerung. |